Bienen Rückentwicklung – eine mögliche Lösung?

Bienen300x200-1Unsere Bienen sind in Gefahr! Immer öfter liest man in den Medien, wie schlecht es um die Bienen steht. Doch was steckt da eigentlich dahinter? Was kann jeder einzelne von uns beitragen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken? Was hat es mit dem Paradieserl Projekt „kleine Biene, ganz stark“ in Mogersdorf auf sich?

Seit 50 Millionen Jahren sorgen Bienen für ein intaktes Ökosystem und eine Artenvielfalt auf unserer Erde. In Europa schätzt man, dass ca. 80 % der Blütenpflanzen (ca. 350.000 Arten) von fliegenden Insekten bestäubt werden. Die Biene nimmt dabei eine besondere Stellung für uns ein. Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden
90 % der Lebensmittel weltweit direkt oder indirekt aus Nutzpflanzen gewonnen, welche die spezielle Bestäubungsart der Biene benötigen!

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr,
keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Albert Einstein

Die Biene ist also sehr wichtig für uns! Natürlich gibt es Ansätze diese Abhängigkeit zu umgehen. Diese reichen von der händischen Bestäubung in China, bis hin zum Angebot einer österreichischen IT-Firma Nano-Drohnen herzustellen, welche die Bestäubungsarbeit übernehmen! – Mutieren wir als Gesellschaft zu Schildbürgern? Die stellten Kühe auf Stadtmauern, um wucherndes Gras abzufressen. Wir stellen Menschen auf Bäume, um unendlich viele Blüten einzeln mit Wattestäbchen zu bestäuben! Erste Studien dazu gibt es übrigens auch schon: die Universität in Peking gab bekannt, dass die Handbestäubung nicht an die Effizienz der Bienenbestäubung heran kommt …

„Wir können Natur nicht ersetzen, wir sind Natur und
jeder einzelne von uns spielt eine Rolle im Ganzen.

Dr. med. Michael Ehrenberger

Ganz im Gegensatz zu ihrer Größe spielt die Biene eine enorme Rolle: sie bringt uns Leben! Ihr eigenes Leben ist jedoch in Gefahr. Ihr Lebensraum wird immer kleiner, Pestizide, Überzüchtung und über Nacht verschwundene Futterquellen (abgemäht oder geerntet) versetzen sie in Stress. Wie bei uns Menschen haben auch die Bienen bei Stress weniger Resistenz gegen Krankheiten und vor allem gegen die gefürchtete Varroamilbe!

Im letzten Jahr sind laut Anton Erlacher vom Bienenschutzgarten allein im Burgenland 80 % der Völker bereits vor dem Winter eingegangen. Wir selbst hatten 3 Völker (2 davon starke) im Paradieserl die alle im September durch die Varroamilbe geschwächt, Räubern zum Opfer fielen. Wir trösteten uns damit, dass die Räuber (andere Bienenvölker) so wenigstens gestärkt durch den Winter kommen würden, doch leider erreichten uns im Frühjahr noch mehr Nachrichten von eingegangenen Völkern.

Bienen300x200-3Wir wussten wir müssen was ändern, doch was? Durch regionale Netzwerke und Pionierprojekte im In- und Ausland haben wir schon öfters von der „Rückentwicklung der Bienen wieder auf ihre natürliche Größe“ gehört. Als Laien erschien uns ein solches Unterfangen jedoch zu fortgeschritten und zeitaufwändig, zumindest im Alleingang!

Aber bei den Bienen läuft ja auch nichts im Alleingang. Gemeinsam mit motivierten Bieneninteressierten, wie wir sie bei den Netzwerken und durch die Kurse kennenlernen durften, hat sich jetzt in Mogersdorf eine aktive Gruppe gebildet, die sich mit Unterstützung erfahrener Imker aus der Region der Rückentwicklung zur kleinen Biene widmet. Mit regelmäßigen Praxistagen und einem Imkerstammtisch halten wir uns gegenseitig dabei auf dem Laufenden.

WIESO KLEINE BIENEN?
Nach dem Motto „große Biene = großer Honigmagen = großer Honigertrag“ begannen Imker bereits vor über 80 Jahren mit der “Größerzüchtung” der Biene! Die Rechnung ging jedoch nicht auf und heutzutage wissen wir: kleinere Bienen bringen, wenn die Völker stark genug sind, einen höheren Ertrag.

Einige Folgen der “Größerzüchtung” sind erst heute bekannt; so haben sich z. B. die kleineren Bienen häufiger geputzt und die Varroamilbe oft selbst ausgeräumt. Die großen Bienen scheinen in dieser Hinsicht träger geworden zu sein und zeigen auch sonst ein reduziertes Sozialverhalten – für eine solch pure Form der Demokratie, wie Bienen sie ausleben, kommt das einem gefährlichen Virus aus den eigenen Reihen gleich.

Die größeren Wabenzellen der größeren Bienen bereiten auch ihre Probleme: in Asien wo die Varroamilbe zu Hause ist, nistet sie sich bevorzugt in die größeren Drohnenzellen ein und ist so weitaus ungefährlicher für ein Volk. Nach der “Größerzüchtung” ist die Zelle der großen Arbeiterinnen fast so groß, wie die der ursprünglichen Drohnen. Nun nistet sie sich lieber in die Arbeiterinnenzellen ein und gefährdet so den ganzen Bienenstaat.

Es spricht also einiges dafür, die Bienen wieder auf ihre natürliche Größe zurück zu entwickeln!

Wie funktioniert die Rückentwicklung?
Die Wabengröße beeinflusst die Größe der Biene. Dieses Prinzip wurde zur “Größerzüchtung” verwendet, indem der Biene größere Waben zur Verfügung gestellt wurden und dieses Prinzip machen wir uns nun auch zunutze für die Rückentwicklung zur kleinen Biene, indem wir ihr kleine Waben zur Verfügung stellen.

Im Naturbau kann man beobachten, dass Bienen verschiedene Maße, jedoch immer im Verhältnis zu ihrer eigenen Größe bauen: große Zellen für Honig, sehr kleine für die Brut von Arbeiterinnen, etwas größere für die Brut von Drohnen und die größte Zelle für die Weisel (Königin). Mit den vorgegebenen Waben zwingen wir die Bienen weiterhin ein einheitliches Maß anzunehmen, das Ziel ist jedoch die Rückkehr zum Naturbau, wo die Biene wieder ihrem Umfeld und ihren Bedürfnissen entsprechend bauen kann. Bienen300x200-2

PARADIESERL PROJEKT
„KLEINE BIENE, GANZ STARK“ IN MOGERSDORF
Nach langer Vorplanung mit der nicht so einfachen Aufgabe, kleinere Waben zu beschaffen, wurde Anfang April der erste Meilenstein in Mogersdorf gesetzt: wir bestückten einen ersten Ableger mit kleineren Waben und ließen diese bebrüten.

Seither durften wir schon viele weitere Meilensteine verzeichnen, z. B. die ersten kleinen Arbeiter-Bienen neben den großen zu entdecken, den Bau der ersten Weiselzelle für eine kleine Königin und Drohnenzellen für kleine Drohnen zu vermerken … wer sich für die Details und Fotos interessiert, unter www.dr-ehrenberger.eu/bienen bieten wir kleine Foto- und Filmreportagen zum Projekt mit regelmäßigen Aktualisierungen.

Jeder kann mitmachen!
Wollen auch Sie Ihren Beitrag zum Erhalt der Bienen leisten? Diese Aufgabe lebt von der Mithilfe möglichst vieler Menschen!

Gesunder Menschenverstand
Es gibt Initiativen, Äcker aufzukaufen oder zu pachten, um Bienenweiden anzupflanzen statt gebeiztem Mais oder Nutzpflanzen, die den Einsatz von Pestiziden benötigen. Bitte unterstützen Sie solche Initiativen nicht! Es gibt Studien, die belegen, dass die bisher verwendeten Neonicotinoide nach 10 Jahren nur zur Hälfte abgebaut sind! Landwirte, die umgedacht haben, bestätigen uns, dass dies bekannt sei!

Sollten Sie von solchen Initiativen hören, unterstützen Sie bitte mit Aufklärung, solche Weiden sind Giftweiden für die Bienen!

Erste Schritte

– Auf Pestizide wie Roundup verzichten

– Rasen seltener mähen (oder nur Pfade mähen)

– Bienenweiden anlegen

– Balkone mit blühenden Pflanzen schmücken

– Obstbäumchen pflanzen (Futter im Frühjahr)

– Honigbäume pflanzen (Futter im Spätsommer)

– Spenden (z. B. Bienenschutzgarten, Paradieserl)

Gemeinde involvieren

– Erste Schritte auf Gemeindeebene umsetzen: Stellt Euch vor die ganze Gemeinde legt
Bienenweiden an

– Infoabende in der lokalen Gemeinde organisieren (wir empfehlen gerne Vortragende)

– Lokale Landwirtschaft zum Verzicht auf gebeiztes Saatgut und Pestizide auffordern

Eigene Bienen halten

– Sich im Internet informieren, z. B. auf www.resistantbees.com

– Einführungskurse für die natürliche Bienenhaltung besuchen, z. B.
bei www.bienenschutzgarten.at

– Kontakte zu anderen Imkern oder Interessierten herstellen (gemeinsam lernt es sich leichter)

Eigene Rückzüchtung starten

– Projekte wie www.resistantbees.com, www.dr-ehrenberger.eu/bienen studieren und/oder
einen Fachkundigen zur Hand bitten

– am besten gemeinsam mit mehreren in der Umgebung starten, ist effektiver und optimiert
Anschaffungskosten (Mittelwände, etc.)

– Alle benötigten Materialien im Voraus beschaffen (manche Materialien sind schwer zu
besorgen, auf Grund der ungewöhnlichen Maße)

Herzlichst Nikki-Carina Merz

Schreibe einen Kommentar

merimed Naturprodukte sind in Österreich exklusiv in Apotheken erhältlich. Diese Seite dient rein zur Information. Verstanden